Beim Kommentieren ist mir wieder einmal eine Problematik bewußt geworden, die bei unseren Projekten existenziell sein kann:
Wie übt man konstruktive Kritik?
Hier ein Auszug aus der Geschichte der FUNime.
Es war 1998, die FUNime 2 war gerade erschienen, da fanden wir im Web eine Besprechung zur damals aktuellen FUNime. Dort wurde kritisiert, daß die FUNime "leider immer noch Schwarz/Weiss" war, daß der eine oder andere Artikel einen nicht interessiert hat und man hier und da einen Rechtschreibfehler gefunden hat. Außerdem wurden wir permanent mit der AnimaniA, damals Deutschlands einziges ANime-Magazin, verglichen. Als wir das lasen, war natürlich die erste Reaktion: "Hat der noch alle Tassen im Geschirrspüler?"
Und völlig klar, zu dem Moment war diese Art der Kritik völlig deplaziert. Wir waren schließlich froh, den Sprung von A5 auf A4 geschafft zu haben und wußten noch nicht, ob wir für die nächste Ausgabe wieder jemanden finden würden, der die FUNime zum quasi Nulltarif kopieren wird.
Karsten schrieb eine geharnischte Mail an den Verfasser. Und was tat der? Der tat natürlich auf völlig beleidigt, wir seien unfähig Kritik zu ertragen und überhaupt würde er uns halt nicht mehr unterstützen.
Uhhh... die Emotionen kochten ziemlich hoch. Und die halbe Belegschaft der FUNime wollte schon die FUNime eine FUNime sein lassen.
Zum Glück beruhigte sich dann alles schnell wieder. Denn ein Spinner kann schließlich nicht über das Wohl und Wehe eines hoffnungsvoll gestarteten Magazins bestimmen!
Aber genau an diesem Beispiel merkt man, wie schnell Kritik mißverstanden werden kann. Eine übliche Reaktion ist damals wie heute: Mach es doch besser!
Eine zwar verständliche, aber völlig falsche Reaktion. Denn mit Konstruktivität hat das,was sich dann daraus entwickelt, nichts mehr zu tun.
Doch wie übt man nun konstruktiv Kritik?
Das ist eigentlich ganz einfach.
Man schreibt zuerst, was gut war. Und dann, was einem nicht gefallen hat. Und hier ist entscheidend, daß man das negative auf seine eigene persönliche Sicht fixiert.
Schlecht ist zu schreiben: Der Ausdruck ist einfach unter aller Sau. Besser: Mir gefallen die eine oder andere Formulierung im Artikel X an Stelle Y nicht besonders. Das ist natürlich aufwendig, weil man sich intensiv mit dem zu kritisierenden Objekt auseinandersetzen muss.
Genauso demotivierend ist es, wenn man um seine Meinung gebeten wird und man einfach nur sagt: Tauscht einfach den Autor aus.
Ich denke, man versteht, was ich meine: Kritik ist negativ, wenn sie oberflächlich ist, persönlich wird, unkonkret bleibt, starke farbige Metaphern (Scheisse, Mist, grottig) verwendet werden. Am einfachsten ist es, zu prüfen, wie man selbst reagieren würde, wenn man die geäußerte Kritik erhalten würde. Würde eine solche Kritik einem nicht gefallen, sollte man sie anders formulieren.
Achja, wenn man mehr positives als negatives schreibt, kann konstruktive Kritik sogar motivierend wirken. Denn sie beweist, man hat mehr richtig als falsch gemacht!
Übrigens: komplett fehlendes Feedback kann auch sehr demotivierend sein!
Also schreibt, was Euch an der FUNime gefällt (und flechtet in einem unbedeutenden Nebensatz ruhig auch Eure Kritik ein :-)