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Japanische Mythen: Wirtschaftstrauerland Japan

"Never change a running system." Dachten sich die Japaner und hielten an ihrem Wirtschaftssystem fest, auch als es längst zu einem "souring system" (Richard Katz) geworden ist. Dies war bereits in den 70ern der Fall, als die Wirtschaftsentwicklung beginnend mit der ersten Ölkrise (1973) von den 9 – 10 % der 50er/60er auf knapp 4% fiel. Denn längst hatten sich die Erfolgsrezepte verkehrt:
- Langfristige Planung verhinderte Innovationen und Flexibilität
- Bankenfinanzierung führte zu unkontrollierter Überkapitalisierung und Spekulationen
- Regulierter Wettbewerb schützte ineffiziente Wirtschaftsbereiche
- Industriepolitik war nun geprägt von Korruption und Lobbyismus

Eine Konvoi-System war entstanden, in dem die starken Exportindustrien (z.B. Auto, Maschinen) sich dem Tempo der schwachen Binnenindustrien (z.B. Lebensmittel, Bau) anpassen mussten. Das gesamte System wurde durch Handelsüberschüsse und staatliche Investitionen am Laufen gehalten. Doch die dafür nötigen Mengen wurden immer größer und die Nettozahler, die Exportindustrie und die USA, begannen, sich diesem Spiel zu verweigern. Erstere verlagerten Kapital und Produktionen ins billigere Ausland und letztere wertete vor allem ihre Währung ab.

In einem letzten Aufbäumen entstand Ende der 80er die berühmt-berüchtigte Aktien- und Landpreis-"Blase", die schließlich im August 1990 platzte und in den folgenden Jahren Kapital von über 2 Bio US-$ (Declan Hayes) vernichtete und eine dreistellige Milliardensumme an "faulen Krediten" zurück ließ. Noch schlimmer als der wirtschaftliche Schaden war aber die nun folgende "verlorene Dekade" des Nullwachstums auf die Psyche der japanischen Bevölkerung, die Anfang der 80er noch von einem "Japan as Number One" (Ezra Vogel) träumte.

Heute steht Japan vor dem weltweit größten staatlichen Schuldenberg von knapp 6 Billionen US-$ (6.000.000.000.000 US-$, zum Vergleich: das japanische Real-GDP (IWF) liegt bei 4,4 Billionen US-$). Schon lange werden daher hierzulande ökonomische "worst case"-Szenarien als "japanische Verhältnisse" bezeichnet.

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