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Review: Final Fantasy XIII

Da der Titel hierzulande morgen in die Läden kommt, dachte ich mir, meinen Artikel aus der FUNime auszugraben und hier auf den Blog zu posten. Und da etwas Zeit seit dem Artikel vergangen sind, habe ich am Ende des Artikels noch ein kleines Update hinzugefügt. Das Review basiert auf der im Dezember letzten Jahres in Japan erschienen Version für die PS3, bei den europäischen Versionen könnte es daher Veränderungen geben.


Final Fantasy XIII – FF in HD: Flop oder Top?

Über drei Jahre mussten Final Fantasy-Fans sich gedulden, doch nun hat das Warten endlich ein Ende. Im Dezember erschien mit Final Fantasy XIII der neueste Titel in der Reihe, die wie keine für den japanischen RPG steht, einem einst gefeierten Genre, das heute international aber in den Tiefen der Bedeutungslosigkeit versunken ist.

Gut, es ist sicher noch nicht so schwarz, wie es die große Videogame-Seite IGN kürzlich mit einem sehr kontroversen Artikel zur Verbesserung des JRPGs sah. Auch wenn der neueste Dragon Quest-Teil mit über 4 Mio. verkauften Einheiten mehr Exemplare abgesetzt hat als die meisten hoch gelobten westlichen Rollenspiele, täuscht dies nicht darüber hinweg, dass JRPGs sich nur in Japan und auch dort vor allem für die portablen Konsolen verkaufen. JRPGs für die HD-Konsole hatten durchaus ihre Fans auch im Ausland, waren für die großen WRPG-Titeln aber weder in Qualität, noch Verkäufe ernsthafte Konkurrenten.
Final Fantasy ist im Westen die einzige JRPG-Reihe, die regelmäßig Millionen Exemplare auch außerhalb Japans absetzt. Der letzte große Titel, Final Fantasy XII wurde von Kritikern für seine Innovationen gefeiert, verfremdete aber gerade durch diese viele Alt-Fans und verkaufte sich daher eher mäßig. Die Dutzenden minderwertigen Final-Fantasy-Veröffentlichungen der letzten Jahre, die offensichtlich nur den großen Namen ausschlachten sollten, haben zusätzlich die Reihe in Misskredit gebracht. Große Hoffnungen lagen daher auf dem nächsten großen Titel der Reihe und dem ersten in High-Definition.
Bereits 2006, mit dem Aufkommen der ersten Konsolen der neuen Generation, wurden erste Teaser zu Final Fantasy XIII gezeigt. 2008 kam es überraschend zum großen Knall (und sicherlich auch Herzinfarkten bei einigen Sony-Managern), als erklärt wurde, dass der Titel im Westen auf mehreren Plattformen erscheinen sollte. Offenbar waren den Chefs der Produktionsfirma die Verkäufe von Sonys PlayStation3 nicht gut genug. Am 17. Dezember 2009 war es für die Japaner schließlich so weit, hatte das Warten endlich ein Ende. Zumindest für die, die schnell genug waren, sich ein Exemplar zu ergattern, denn schon nach dem ersten Tag wurden die ausgelieferten Mengen knapp. Bis Ende des Jahres hatte sich das Spiel fast 1,7 Mio. Mal verkauft, was bedeutete, dass bei knapp 3,7 Mio. verkauften PS3 in Japan fast jeder zweite PS3-Besitzer das Spiel gekauft hatte! Fraglich, ob sich dieser Erfolg im Westen am 9. März dieses Jahres wiederholen lässt. Die Japaner jedenfalls haben Final Fantasy offenbar noch immer lieb.
Aber japanische Spieler waren schon immer relativ konservativ und so neuartig klingt die Story am Anfang auch nicht. Mit der typischen FF-Truppe aus Ex-Soldaten und Rebellen reisen wir durch die Welt von Pulse, auf der Suche nach der Antwort, weshalb unsere Helden von den Fal'Cie (mächtige magische Wesen, die diese Welt kontrollieren) verflucht wurden, und welche Aufgaben sie nun als so genannte L'Cie nun haben. Verfehlen sie diese nämlich, enden sie als geifernde Zombies. Erfüllen sie sie aber, enden sie als Kristallstatuen. Persönliche Dramen und Tragödien, sowie große moralische Dilemmas sind also vorprogrammiert. Zusätzlich hat natürlich jeder der sechs spielbaren Figuren noch sein eigenes kleines Geheimnis. Neben der burschikosen und darwinistischen Lightning, die lieber anpackt statt zu reden, haben wir noch ihren hyperoptimistischen Schwager Snow, einem naiven Hünen, der das personifizierte Gute darstellt. Nach dessen Leben trachtet der 14-jährige Hope, der Snow den Tod seiner Mutter anlastet und sich nur noch durch Rachegelüste am Leben hält. Pessimistisch veranlagt ist auch der schon etwas ältere Sazh, der einzige in der Truppe mit einem gesunden Menschenverstand und einem Chocobo-Kücken im Afro. Wie Tag und Nacht sind die beiden Oerba-Schwestern: Während die jüngere Vanille sich mädchenhaft-unschuldig gibt und im Zweifelsfall vor allem davon läuft, hat die ältere Fang die Zunge eines Fuhrknechts und Arme eines Bauarbeiters.
Liebeleien gibt es natürlich auch wieder, die dient aber mehr als Trigger denn als Thema und dürfte für westliche Geschmäcker doch etwas befremdlich wirken (und damit ist diesmal nicht der Kitsch gemeint). Insgesamt sind die Geschichten zwar sehr emotional, aber noch in einem ertragbaren Rahmen. Die Charaktere bleiben für JRPG-Verhältnisse überraschend glaubhaft und die Geschichte wird schön Stück für Stück aufgerollt, vor allem wie es zu dem schicksalshaften 13. Tag kam, mit der das Spiel bombastisch einleitet. Insgesamt stehen hier die privaten Konflikte der Charaktere mit dem System der Fal'Cie im Vordergrund, was die diversen Antagonisten im Spiel leider sehr blass wirken lässt. Wie beim letzten Teil fehlt leider auch hier ein großer charismatischer Bösewicht, dafür sind die privaten Geschichtchen aber verständlicher als politische Ränkespiele.
Spielerisch haben wir einen scheinbaren Rückschritt zum alten Runden-System, jedoch wurde das traditionelle ATB-System (Active Time Battle) etwas aufgebohrt und durch diverse neue Konzepte wie dem Break-System oder dem Paradigm-Shift ergänzt, auch kann der Spieler nur noch den Anführer in seiner kleinen Dreiergruppe direkt steuern, was angesichts des viel höheren Tempos aber durchaus sinnvoll ist. Die dynamischen Kämpfe sollen an die im Film Advent Children erinnern, und teilweise hat man tatsächlich das Gefühl, ein Action-Adventure zu spielen und nicht ein JRPG. Die zahlreichen automatisierten Jump-n-Run-Abschnitte, wo man sich fragt, weshalb die Entwickler keine aktive Sprung- und Kletterfunktion eingebaut haben, erinnern einen jedoch wieder daran, was für ein Genre man vor sich hat. Leider merkt man auch sehr schnell, wie linear das Spiel aufgebaut ist. In großen Teilen des Spieles läuft man leider nur einen sehr schmalen Weg entlang und Städte, in denen man sich mit den Bewohnern sozialisieren kann, sind sehr rar. Freunde von Sidequests oder gar Sandboxes werden hier sehr enttäuscht.
Charakterlevels wurden abgeschafft, stattdessen levelt man sechs rudimentäre Berufe (Attacker, Blaster, Defender, Jammer, Enhancer, Healer), die im Kampf schnell gewechselt werden können und sogar müssen. Speicherpunkte, an denen man zusätzlich noch einkaufen und Gegenstände aufwerten kann, gibt es noch immer und in großen Mengen, wenn man stirbt, landet man jedoch nicht mehr beim letzten Speicherstand, sondern direkt vor dem Gegner, an dem man gescheitert ist. Eine willkommene Neuerung, da ein Kampf auch bei schwachen Gegnern durch Unaufmerksamkeit schnell unschön enden kann. Bei manchem Gegner können ohne Kenntnis der Strategie gar einige Dutzende Anläufe nötig sein, was dann doch etwas frustrierend sein kann. Insgesamt bleibt der Schwierigkeitsgrad überschaubar und man wird ja nicht ins kalte Wasser geworfen. Das gesamte Spielsystem wird nach und nach frei geschaltet und per Tutorial erklärt, was für Neueinsteiger schön ist, alte Kämpfen aber doch etwas zu sehr bevormundet.
Grafisch ist der Titel erwartungsgemäß mit das beste, was es derzeit auf dem Markt gibt, vor allem die Gesichtsanimationen überzeugen. Nur die Hände wirken außerhalb der CGI-Szenen auffallend klobig. Freunde von orgastischen Videosequenzen werden sich wieder über viele Unterbrechungen des aktiven Spielflusses freuen dürfen. Die Landschaften in der FF-typischen Scifi-Fantasy-Welt sind abwechslungsreich und fantasievoll gestaltet, leider wirken sie aber durch den viel zu linearen Spielverlauf und die kurzen, engen Wege eher wie flache Hintergrundbilder denn eine lebendige Welt. Auch die Musik dürfte eingefleischte FF-Fans enttäuschen. Statt der großen Uematsu-Melodien haben wir zwar eine große Bandbreite an Stücken von seichter Fahrstuhlmusik über sanften Jazz und elektrischer Musik bis zu den großen Orchesterstücken, nur wenige bleiben einem aber im Gedächtnis.
Technisch ist den Programmieren ein kleines Meisterwerk gelungen. Die PS3-Version braucht ganze 500kb für die Installation, was etwa dem eines Speicherstandes entspricht. Trotzdem gibt es fast keine Ladezeiten und auch die Framerate bleibt auch beim größten Effektgewitter relativ konstant, nur in manchen Videoszenen ruckelt es kaum merklich und nur ganz kurz.
Anders als seinen unglücklichen Vorgänger kann man Final Fantasy XIII sicherlich problemlos in den Kanon der großen FF-Titel stellen, dabei ist er in der Summe weniger als Besinnung auf alte Werte, sondern eher als ein neuer Ansatz zu verstehen. In der Summe gehen die zumeist kleinen Veränderungen sogar noch weiter als beim zwölften Teil. Er ist sicher nicht der beste Teil, aber eine würdige Fortsetzung der Reihe. Die Richtung stimmt jedenfalls: mehr Dynamik und ein Spieler-freundlicheres Konzept. Square-Enix kommt hier offenbar die im Ausland gewonnene Erfahrung zugute. Trotzdem lässt der Titel noch viele Wünsche übrig. Insgesamt aber kann man sagen, dass Final Fantasy im HD-Zeitalter angekommen ist. Die Frage ist nur, ob der westliche Markt es auch so sehen wird. Denn für einen Titel dieser Größe ist der japanische Markt definitiv zu klein.

Update:
Offenbar ist das Spiel trotz der hohen Verkäufe auch in Japan relativ kritisch aufgenommen worden. Die Wiederverkaufspreise sind extrem niedrig und viele Händler verkaufen das Spiel mittlerweile mit hohen Rabatten. Bemängelt wird vor allem das fehlende RPG-Feeling. Die fehlenden Explorationsmöglichkeiten und Städte verstärken zwar die Story, machen aber die Welt kalt und leblos. Man kann nicht mit NPCs interagieren oder Minispiele machen und selbst die Quests, die man später auf Pulse machen kann, sind simple Tötungsquests in einer sehr überschaubaren Welt.
Für einen Shooter oder ein Action-Spiel nicht ungewöhnlich, für ein RPG sicher zu wenig. Statt von Call of Duty hätten sich die Macher da wohl lieber von Bioware- oder Bethesda-Titeln inspirieren lassen sollen.
Aber seien wir ehrlich, wie die Macher es auch gemacht hätten, die abstrusen Vorstellungen der notorisch ungnädigen Final Fantasy 7, 8-Fans hätten sie eh nicht befriedigen können.

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