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Japanische Mythen: Homogenität des japanischen Volkes (Meinung)

Oft kriegt man zu hören, dass Japan sich nur durch eine rassische und kulturelle Reinheit zu einer Frieden-Freude-Eierkuchen-Gesellschaft und der zweitstärksten Wirtschaftsnation der Welt entwickeln konnte. Faktisch ist dies jedoch nichts Weiteres als eine politisch gewollte Konstruktion der letzten Jahrzehnte.
Bereits die ersten Volksgruppen auf den japanischen Inseln sind aus verschiedenen Völkerbewegungen aus dem koreanischen und chinesischen Festland, sowie von südasiatischen Inseln entstanden. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts gab es einen regen Volks- und Kulturaustausch mit Chinesen, Koreanern und Europäern. Auch während des „sakoku“-Isolationismus (1639-1858) brachen diese nicht komplett ab: Koreanische Händler und chinesische Mönche waren stets gern gesehen und auch die Holländer auf Dejima waren beliebte Gäste. In der darauf folgenden Modernisierung kam es zu einer Verwestlichung, die bis zur Identitätsbildung als pan-asiatischer Vielvölkerstaat reichte. Mit der Niederlage im Zweiten Weltkrieg folgte eine Phase der nationalen Minderwertigkeit, die durch den folgenden Wirtschaftsboom der 60er Jahre aber umgekehrt wurde. Nur allzu gern wurden nun die Erklärungen von vom Exotismus oder bestimmten politischen Zielen beeinflussten westlichen Autoren aufgenommen und zu einer Volksidentität instrumentalisiert.
Als Ergebnis herrscht heute in Japan eine auf rassische Motive basierende nationale Selbstidentifikation vor, die von Ministerien und Politikern immer wieder gerne populistisch für die Durchsetzung eigener politischer Ziele verwendet wird. Eine Praxis, die angesichts der extremen Überalterungsentwicklung und einer globalisierten Wirtschaft fatal enden könnte. Dabei werden derzeit auf der „Graswurzelebene“ bereits harte Fakten geschaffen: Zahlreiche KMUs können nur noch durch die Hunderttausenden, oft illegalen ausländischen Arbeitern am Leben erhalten werden und auf dem Land wächst eine Generation von Kindern heran, deren Mütter aus dem Ausland „eingekaufte“ Bräute sind.

Natürlich sind auf Ressentiments und Realitäten ignorierende „Politics“ nicht nur in Japan verbreitet und populär (Hi, Herr. K*ch!)…

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Kommentare

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Jan am :

Außerdem gehören auch alle (>95%) Japaner laut Selbstauskunft der Mittelschicht an, egal ob sie reich wie'n Scheich oder arm wie 'ne Kirchenmaus sind. Hrrrhrrr.

fyl am :

Zu (angeblichen) gesellschaftlichen Homogenität wollte ich irgendwann mich auch mal auslassen. Angesichts der ganzen aktuellen Populär-Literatur zur Zweiklassengesellschaft scheint sich die Sicht auch in Japan langsam zu relativieren. Leider fehlt mir derzeit noch die genauere Einsicht zum Thema.

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